In meinem letzten Beitrag erwähnte ich, dass meine Suche weiterging. Diesmal war es die Suche nach der heiligen Beatriz de Silva, nach deren Schönheit Künstler ihre Marienfiguren gestalten sollten.
Meine Recherchen zu Beatriz de Silva (1424–1490) offenbarten einen bemerkenswerten Lebensweg: 1484 gründete die portugiesische Adelige in Toledo den Orden von der Unbefleckten Empfängnis (Orden de la Concepción Inmaculada), inspiriert von einer Marienvision. Auch ihr erschien die Gottesmutter in weißem Gewand mit blauem Mantel – Farben, die die Konzeptionistinnen bis heute tragen.
Beatriz entstammte einer hochadeligen Familie aus Campo Maior in Portugal. Ihr Vater, Ruy Gomes da Silva, war ein einflussreicher Adliger am portugiesischen Hof, und ihre Mutter, Isabel de Meneses, gehörte ebenfalls dem höchsten Adel an. Als junge Frau wurde Beatriz zur Hofdame der kastilischen Königin Isabella I. ernannt und lebte jahrelang am spanischen Königshof in Segovia und Toledo. Ihre außergewöhnliche Schönheit und ihr elegantes Auftreten machten sie zu einer der begehrtesten Damen des Hofes.
Der Überlieferung nach war Königin Isabella dermaßen eifersüchtig auf Beatriz‘ Schönheit, dass sie diese drei Tage lang in einer Truhe gefangen hielt – eine dramatische Episode, die Beatriz‘ Entscheidung, dem weltlichen Leben zu entsagen, maßgeblich beeinflusste. Nach diesem traumatischen Erlebnis zog sie sich zunächst in das Kloster der Dominikanerinnen von Santo Domingo el Real in Toledo zurück, wo sie über drei Jahrzehnte lang als Nonne lebte.
Während ihrer etwa vierzigjährigen Zeit bei den Dominikanerinnen reifte in Beatriz der Wunsch, einen eigenen Orden zu gründen, der ganz der Unbefleckten Empfängnis gewidmet sein sollte. 1484, im Alter von etwa sechzig Jahren, setzte sie diesen Plan schließlich um. Die Gottesmutter erschien ihr in einem strahlend weißen Gewand mit einem blauen Mantel und beauftragte sie, einen neuen Orden zu gründen, der der Verehrung der Unbefleckten Empfängnis gewidmet sein sollte. Diese Vision war für die damalige Zeit besonders bedeutsam, da die Lehre der Unbefleckten Empfängnis noch nicht als Dogma feststand – dies geschah erst 1854 unter Papst Pius IX.
Mit der Unterstützung von Königin Isabella, die ihre frühere Rivalin inzwischen zu schätzen gelernt hatte, gründete Beatriz das Kloster der Unbefleckten Empfängnis in Toledo. Der neue Orden folgte einer modifizierten Fassung der Zisterzienserregel und legte besonderen Wert auf die kontemplative Verehrung Mariens. Die charakteristischen weißen Gewänder mit blauen Mänteln der Konzeptionistinnen spiegeln bis heute Beatriz‘ ursprüngliche Vision wider.
Beatriz de Silva starb am 9. August 1490 in Toledo und wurde bereits zu Lebzeiten als Heilige verehrt. Ihr Seligsprechungsprozess begann 1926, und sie wurde 1976 von Papst Paul VI. heiliggesprochen. Ihr Festtag wird am 17. August gefeiert. Heute existieren weltweit etwa 160 Klöster der Konzeptionistinnen, die ihr spirituelles Erbe fortführen.

So schließt sich ein eigenartiger Kreis meiner Betrachtungen – von der Marienstatue in „Father Brown“ über Beatriz de Silva bis zu Alonso Canos Kunstwerk. Die Madonna in Weiß und Blau begegnet mir beständig, als wolle sie mir etwas mitteilen. Vielleicht ist es gerade diese jahrhundertelange Kontinuität, die mich so bewegt – eine ikonographische Tradition, die von den mittelalterlichen Visionen einer portugiesischen Adeligen bis in die moderne Populärkultur reicht.
Die Darstellung der Unbefleckten Empfängnis in weißen und blauen Gewändern wurde zu einem der prägendsten Marienmotive der christlichen Kunst. Von Murillo über Zurbarán bis hin zu zahllosen Volkskunstwerken finden sich diese Farben als Symbol für Reinheit und himmlische Gnade. Selbst ohne eigenen Glauben erkenne ich die tiefe kulturelle und emotionale Bedeutung dieses Bildes für unzählige Menschen über die Jahrhunderte hinweg.
Meine Sammlung wächst stetig – und mit ihr meine Fragen und mein Staunen über die verbindenden Fäden, die sich durch Kunst, Geschichte und menschliche Spiritualität ziehen.
© Spurensucherin








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